Da Vinci – Oder: Der Schattenmann

Eine Screening-Geschichte von Stephan Vielhaber / 4. Mai 2026

Dies ist das Logbuch des Raumschiffs Da Vinci. Captain Picard, Sternzeit 41153.8.

Von den 24 Stunden, die uns „BIG-F“ gewährt hat, sind inzwischen 11 ohne Zwischenfall verstrichen. Und trotzdem muss ich ständig an seine Worte denken, dass uns einige sehr kritische Prüfungen bevorstehen werden.

Es gibt auf den Sternkarten keine Anhaltspunkte, dass sich hier in der Nähe bewohnbare Planeten befinden.

Unsere Position: Im Orbit um Psi 2000. Eine alte Welt, jetzt eine gefrorene Einöde, die kurz davor ist auseinander zu brechen. Unsere Mission ist, eine Gruppe von Wissenschaftlern des Inneren Zirkels von der Oberfläche abzuholen und den Zerfall des Planeten zu beobachten.

Beim Einschweben auf die Oberfläche des unbekannten Planeten aber ist es wie ein Déjà-vu, erscheint mir Bekanntes, werden meine Erinnerungslücken gefüllt …..

Ich kenne diese Stimme. Dieses melodische Gurren, fein temperiert.

„Hallöi! Willst du mich umbringen?“

Dies ist das Logbuch des Raumschiffs Da Vinci. Captain Picard, Castrop-Zeit 07052026.8.30.

Fast hätte ich ihn erlegt, diesen Zweibeiner, eine Art Mensch, zugewandert aus Ostdeutschland. Immer dabei, immer an der Leine, Luke, der ehemals ostdeutsche und mit weißem Lockenfell bedeckte Vierbeiner, eine Art Hund.

Wir sind auf den letzten Drücker, schießen mit unserem schwarzen vierrädrigen französischen Raumschiff aus der Hauseinfahrt und brettern nach Wanne-Eickel. Im Rückspiegel sehe ich gerade noch die schöne schwarzhaarige Syrerin aus der Nachbarschaft im Orbit entschweben, die wohl im letzten Moment die Kollision mit F62 vermeiden konnte. Ich hoffe nicht auf ein Nachspiel, schließlich ist ihr Mann Azad Fahrschullehrer bei „J.P. Fahrschule“ und hat jede Menge MPUer im Fond sitzen.

Uns ebenfalls in schwarz mit VI99 entgegenkommend, wirft Franziska den Einweisungsschein durchs offene linke hintere Seitenfenster. Bingo! Volltreffer! Nach blitzschneller Berechnung der Geschwindigkeiten x Wege x Entgegenkommen x Windzug x Verwirbelung x was weiß ich im Kopf erinnere ich mich einen kurzen Augenblick daran, dass meine Tochter ursprünglich einmal Mathematik studieren wollte.

Mit der Da Vinci geht’s natürlich rasend schneller von Castrop-Rauxel nach Herne-Wanne-Eickel. Ja, dies und das gibt’s wirklich! Deshalb ein Riesenkompliment an Captain Selan und Fahrgast Yuriy für diese Punktlandung! Punkt 9! Termin!

Mit dem Parken der Da Vinci ist das allerdings schon eine Herausforderung. „Scottie, hier Picard, was geht?“ „Captain, hier Scottie, nichts!“ „Mr. Spock, beamem!“

Das Beamen (Teleportation) in unserem Da Vinci ist eine zwischen Ruhr und Emscher seit Jahrhunderten genutzte Technologie, die Personen oder Objekte in Atome zerlegt, als Energie- oder Materiestrom an ein Ziel sendet und dort rematerialisiert. Sie dient als schnelle Transportmethode zwischen Schiffen, Stationen und Planetenoberflächen.

Punkt 9.00. Eickelzeit betritt Felix die sagenumwobene Zweigstelle des ewigen F. des Großen, die eigentlich der mit chinesischer Professur versehene Dr. I. für sich und seinen „Da Vinci Code“ beansprucht. Ein Sakrileg!

Vorsichtig setzt sich Felix, oder war es Yuriy, in Bewegung. Stille! Nur Stille! Nichts als Stille! Kaum zu ertragen! Der Herzschlag pocht in seinen Ohren. Seltsam, wie ausgestorben.

Jetzt erst recht nach vorne! Immer weiter! Denkt unser junger Held einen kurzen Moment und ist sich der Unterstützung der “Tapferen Herzen“ und des SV 29/65 e.V. absolut sicher. Doch soweit sollte es gar nicht kommen.

„Sind Sie Felix?“ Die spitze Stimme der Uschi 1, Schwester der Nicole ließ ihn schlagartig im Hier und Jetzt ankommen.

„Ja, der bin ich. Sie können mich aber auch mit Yuriy ansprechen. Ich komme zur Anmeldung.“

„Haben Sie Ihre Versicherungskarte dabei?“ Hatte er und noch mehr. War bestens vorbereitet, jede Frage beantworten zu können und jedes benötigte Schriftstück dabei zu haben.

Uschi 1 war begeistert, wirklich, so etwas erlebe sie nicht oft. Felix war ebenso glücklich, qua namentlichem Auftrag. Hier hatten sich zwei gefunden, um für eine kurze Zeit Zukunft zu gestalten.

Aufnahme im Thoraxzentrum – Montag, 11. Mai – 7.30 Uhr – Station 11 – Wahlleistungspatient – dank privater Zusatzversicherung – Ein- oder Zweibettzimmer nach Wahl – Zweibettzimmer, da Verstärkung an Bord – mit allem Schnickschnack – Video-assistierte mediastinoskopische Lymphadenektomie (VAMLA) – Schnellschnittuntersuchung – bei Bestätigung der cNO-Situation nach PET-CT und CT robotische (Da Vinci) Unterlappenektomie links bereits am Mittwoch, 13. Mai.

Soweit der gute Plan. Heute, am Donnerstag davor, 7. Mai ab 9.00. Eickelzeit die große ambulante Vorstellung im Thoraxzentrum unter ASV-Kriterien.

Die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) gemäß § 116b SGB V richtet sich an Patienten mit seltenen, komplexen oder schwer therapierbaren Erkrankungen (z.B. Tumoren, Rheuma). Sie ermöglicht eine interdisziplinäre Behandlung durch Krankenhaus- und Vertragsärzte. Kernkriterien sind spezifische Indikationen, ein interdisziplinäres Team, besondere Qualifikationen und Kooperationsverträge. 

Punkt 9.25. Eickelzeit. Es ist mir gelungen, die Da Vinci auf der ausgewiesenen Landefläche einzuparken. Kollateralschäden, kaum der Rede wert: 1 Gebüsch, blühend, jetzt nicht mehr, 1 Naturstein 80 x 80, zerbröselt, nicht mehr wahrnehmbar. Etwas problematisch, deshalb auch an die Leitung des „Da Vinci-Projektes“ gemeldet, ist das Erreichen des Druckknopfes am Automaten mit den Parkkarten aus der Pilotenkanzel der Da Vinci. Captain Picard Sternzeit 41153.9.

Punkt 9.30. Eickelzeit. Beim Betreten des DVCS treffe ich direkt auf Yuriy. Er ist bereits mit Laufzettel ausgestattet und darf noch einmal zu Uschi 1, der Schwester der Nicole, um einige wichtige Daten zu präzisieren, die für das ASV von Bedeutung sind.

Yuriy ist nicht der Einzige hier, der Daten sammeln muss. Schubweise erreichen Gruppen von Menschen und anderen, mir bisher nicht bekannten Kreaturen die Ambulanz, eine Art Headquater, das von Dr. D. beherrscht wird.

Doch in wessen Auftrag? Prof. Dr. F., genannt „Großer F.“, neuerdings auch „BIG-F“? Oder doch Chinese Prof. Dr. I. alias „Da Vinci“? Das gilt es zu klären. Keiner der beiden scheint anwesend zu sein.

In einer Art Kanzel innerhalb der Ambulanz versuchen 2 Assistentinnen Struktur in die Abläufe zu bekommen. Schwierig! Äußerst schwierig! Der Zulauf an der automatisch öffnenden und schließenden Schleuse ist erheblich, Gerangel, ich war zuerst da, der drängelt vor, das ist doch jedes mal dasselbe, ungeheuerlich, was machen die Schwestern eigentlich?

Ich bin sofort hellwach. Die Schwestern? Der Innere Zirkel scheint präsent. Sollte es sich bei den beiden in der Kanzel um „BIG-F“s handeln? Vorsicht! Wir werden es herausfinden.

Das Spiel beginnt. Oder besser: Das Fahrtspiel beginnt.

Ein Fahrtspiel ist eine abwechslungsreiche Trainingsform, die spontane Tempowechsel während eines Dauerlaufs beinhaltet. Es verbindet Elemente der Dauer- und Intervallmethode, indem Belastung (schnell) und Erholung (langsam) frei nach Gefühl und Geländeprofil variiert werden.

Nochmal Vorsicht, Datenerhebung! Immer nur mit persönlicher Einwilligung, Yuriy! Hat er bereits erledigt, bei Uschi 1, Nicoles Schwester, schriftlich.

Punkt 9.45. Eickelzeit. Na dann kann es ja locker losgehen. Felix alias Yuriy ist voller Daten …, äh, Tatendrang. 7 Stationen anlaufen. Er schätzt eine Dauer von bis zu 2 Stunden ab. Dass es 7 werden, ahnt er nicht, hätte ihn auch erheblich genervt. Die vergangen Tage, ja Wochen waren erheblich anstrengend.

Da ich Ahner bin, hatte ich meine wunderbare Tablettensammlung Marke „PARKI“ der Firma „Park In Son“, ich meine eines nordkoreanischen Pharmazeuten, fein und säuberlich bereits am Vorabend vorbereitet, um alle Hindernisse ohne Gehampel elegant überspringen zu können und um Felix besser unterstützen zu können.

Mit diesem war ich mittlerweile in Stockwerk 2 angekommen. „Pneumologie und Infektiologie“. Ich stutze immer noch kurz. Winterreifenwechsel auf Sommerreifen?

Ich stutze erneut. 3 Schilder. 3 x Focus Gesundheit. 3 x TOP-Mediziner, 3 x der „Große F.“, 1 x Asthma, 1 x COPD & Lungenemphysem, 1 x Infektiologie. Ich bin doch nicht der Patient! Alles meine Disziplinen, meine Sehnsuchtsthemen! „BIG-F.“ is watching me! Be careful with your Thorax!

Ich warte im Wartezimmer. Eigentlich leer. Zumindest menschenfrei. 11 Stühle, nappaecht, TradeMark BIG-F..

Felix keucht gerade in der Lungenfunktionsprüfungsglaskabine seine letzten Luftmoleküle heraus. Hat Stress. Bringt weniger Leistung als zuletzt. Ob da etwas nicht stimmt? Trotzdem: Diffusionskapazität passt! Gott sei ewiger Dank!

Ob da etwas nicht stimmt? Ja! Inzwischen ist auch das EKG erledigt. Das stimmt! Das ist die perfekte Welle! Unser Held verschwindet mit irgendeiner Schwester in irgendeinem Raum.

Raum und Zeit habe ich auch. Im Wartezimmer. Ganz für mich allein. Ich stelle beim Blick aus dem Fenster fest, Eickel ist grün! Hier stehen echt viele bereits grüne Bäume herum. Es ist ja auch schon Mai, der 7.! Ausschlag! Eine O2-Oase!

Zwei Gestalten treten ein. Eine Frau mit einem Mann. Ein Paar. Merke ich am ersten Satz: „Schatz, möchtest du noch ein Tempo?“ Leicht alternativer Anstrich. Ich wundere mich etwas, warum die Herrschaften sich ohne Lücke in der Stuhlreihe direkt neben mich setzen und mir den guten Tag verwünschen. 10 Stühle sind frei. Beide fummeln an ihren Handys herum, scheinen ein und das selbe Thema zu besprechen. Sprechen zu leise um sie zu verstehen.

Ich fummele an meinem Tablet herum. Facebook. SV Wacker, mal sehen, wie die Zugriffszahlen auf WackerMedia sind by Selan & Yuriy. Unsere Jungs haben endlich gewonnen, stecken weiter im harten Abstiegskampf. Wir haben berichtet, als ob es um das Endspiel im DFB-Pokal in der Hauptstadt ginge.

Das lohnt sich. Unsere Fans und damit unsere User sind umfangreich dabei. Die Abrufe der Videos mit Toren und Interviews steigen immer mehr an. Allein bei Facebook mit dem Spiel SV Wacker versus SV Vestia (2:1-Sieg) wurden fast 40.000 Videoabrufe getätigt. Hier haben wir uns mittlerweile eingepegelt.

Felix ist die ganze Zeit dabeigeblieben. Hat sich nicht in ein fußballfreies Schneckenhaus zurückgezogen, um darinnen voller Gram zu zweifeln, ob er ein Leben mit Krebs überhaupt braucht. Das braucht kein Mensch. Ein Scheißleben mit Scheißkrebs! Will ich nicht!

Felix ist die ganze Zeit dabeigeblieben. Beim Westfalenliga 2-Fußball, der starken Liga im Westen! War wie immer Stadionsprecher. Hat nicht durchgesagt, dass er Lungenkrebs hat. War noch besser in der Ansagequalität, da bin ich streng in der Bewertung. War leidenschaftlich, sehr treffend in der Betonung und jeden Namen von Obercastrop bis Kurdistan, Albanien und Aleppo sprach er richtig aus. Kompliment! Anspruch! Übt er vorher zuhause! Die anschließenden Interviews mit unseren Spielern und Trainern gelingen gut, dank seiner Bierruhe.

Sorry, er trinkt ja keinen Alkohol, noch nicht einmal alkoholfreien. Er raucht auch nicht, rauchte nie in seinem Leben, ist Nie-Raucher. Okay, einige Schachteln hat er sich reingetan. Schokoladenzigaretten.

„Herr Vielhaber, rauchen Sie?“ – „Nein, ich habe noch nie geraucht.“ – „Aber Sie müssen geraucht haben!“ – „Nein, nie!“ „Sie sind erst 31. In diesem Alter bekommt man eigentlich keinen Lungenkrebs.“ „Ja, das stimmt eigentlich. Ich kann es mir auch nicht erklären. Bin überhaupt kein Risikokandidat dafür.“

Lungenkrebs tritt überwiegend im höheren Alter auf, meist ab 40 Jahren, mit einem Erkrankungsgipfel um das 65. bis 70. Lebensjahr. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an, wobei Männer oft zwischen 80 und 84 Jahren und Frauen zwischen 65 und 74 Jahren am häufigsten erkranken. Bei jungen Menschen ist die Erkrankung selten.

Wichtige Fakten zum Alter bei Lungenkrebs:

Altersstruktur: Die Mehrheit der Patienten ist zum Zeitpunkt der Diagnose über 60.

Risikofaktoren: Das Risiko ist eng mit der Dauer des Rauchens verbunden, wobei oft eine Latenzzeit von etwa 20 Jahren besteht.

Früherkennung: Früherkennungsuntersuchungen (z.B. Niedrigdosis-CT) werden in Studien für Personen zwischen 50 und 75 Jahren evaluiert, besonders bei starkem Tabakkonsum.

Trend: Aufgrund der steigenden Lebenserwartung nimmt die Zahl der Neuerkrankungen in der älteren Bevölkerung zu. 

Obwohl Lungenkrebs als typische Alterskrankheit gilt, können auch jüngere Menschen, insbesondere bei entsprechender genetischer Veranlagung oder Schadstoffbelastung, erkranken.

Ein Blick in die Medical Tribune lohnt sich, denn hier gibt es den Überblick auf die Forschungslage kurz und knapp von Dr. Melanie Söchtig.

Wenn junge Nichtrauchende an Lungenkrebs erkranken

Die Deutsche Krebshilfe informiert über die Ursachen und Symptome von Lungenkrebs.

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) | Deutsche Krebshilfe

„Herr Vielhaber, rauchen Sie?“ – „Nein, ich bin Nie-Raucher!“

Rauchverbot: „Pro Rauchfrei“ fordert Fußballstadien ohne Qualm | Apotheken Umschau

Ich erschrecke das Wartezimmerpaar. Facebook hat bei mir die Angewohnheit, bei der Auswahl eines Posts trotz vorher auf 0 gedrosselter Lautstärke trotzdem mit 100 % Herzblut zu explodieren. In der dann folgenden kurzen Hektikphase gelingt es dem Facebooker erst nach etlichen Sekunden, seine Hardware-Software-Kombination zur Ruhe zu bringen. Dann ist es aber bereits zu spät. Jeder weiß, worum es geht.

Hier geht es um Fußball. Um unseren SV Wacker Obercastrop. Um die Mannschaftsaufstellung der 1. Seniorenmannschaft im Spiel gegen den SV Vestia Disteln. Ich hatte die Stadionsprecheransagen von Felix für Felix komplett aufgenommen, damit er sich das kritisch anhören kann oder auch damit zufrieden sein könnte.

Auf jeden Fall ging das Ding nun los. Nicht extra. Ich geriet in Hektik. Stellte die Lautstärke noch höher. Natürlich war es die Mannschaftsaufstellung von Wacker Obercastrop.

Das teilte ich dem Wartezimmerpaar nach der finalen Zur-Ruhe-Stellung meines Tab S3 dann auch gerne mit. Die Reaktion der Dame: „Immer noch besser als Husten.“ Des Herrn: „Genau.“ Dann lachten wir uns zu. Es war richtig schön.

Yuriy holte mich raus aus dem Wartesaal zur Ewigkeit. „Das war doch meine Mannschaftsaufstellung. Konnte man bis ganz hinten hören. Richtig gut!“

Jetzt ging es runter in die Radiologie. Erdgeschoss. Den Weg dorthin kennen wir nur allzu gut. Hier hat Felix etliche Aufnahmen machen müssen in der letzten Zeit, Röntgen, CT, MRT. In der vergangenen Woche hatten diese eine besondere Brisanz, wurde doch eine eventuelle Metastasierung überprüft. Die gute Nachricht: Kein Befund. Wir waren sehr sehr froh, Felix, Yuriy, wir alle. Diese Ergebnisse waren in der Erwartung derer eine Schlüsselstelle. Aufatmen.

Diesmal war es ein digitales Röntgenbild. Abgleich Thorax. Die 9. Durchleuchtung seit Januar. Das Restrisiko auf Streuung und Metastasen bleibt. Erst im Rahmen der 1. Operation am Montag, 11. Mai, können die Lymphknoten ab der Luftröhre abwärts bis in den linken Lungenunterlappen komplett entschleiert werden. Entnommen werden sie in jedem Fall komplett, um Risiken generell zu minimieren. Sollte es hier am Montag keinen Metastasen-Befund geben, folgt am Mittwoch die 2. größere Operation, die robotische Unterlappenektomie links.

Die Ektomie ist in der Chirurgie die vollständige operative Entfernung eines Organs oder einer anatomischen Struktur. Sie bezeichnet das Herausschneiden, oft als letzte Therapiemöglichkeit bei Tumoren oder chronischen Entzündungen. Die Bezeichnung setzt sich aus dem Organnamen und dem Suffix „-ektomie“ zusammen. 

Wichtige Merkmale und Beispiele: Vollständigkeit: Im Gegensatz zur Resektion (Teilentfernung) wird bei der Ektomie das gesamte Organ entnommen.

Und weiter geht das Fahrtspiel! Zurück in die Ambulanz! Roundabout an der Automatiktür. Gerangel, ich war zuerst da, der drängelt vor, das ist doch jedesmal dasselbe, ungeheuerlich, was machen die Schwestern eigentlich?

Nächster Step: Blutabnahme. Darf´s ein bisschen mehr sein? Und die Frage beim Blick auf Yuriys Innenarmbeugen, ob heute schon eine Abnahme stattfand. Der alte Junkie! Ist Standard.

Selan, Felix, Yuriy und ich hatten in den Zwischenphasen Zeit, viel Zeit und von Zeit zu Zeit spülte es Typen durch die Automatikschleuse, die nicht von Pappe waren. Die unsere ganze Aufmerksamkeit wollten. Mr. Spock hätte gesagt: „Faszinierend!“ Doch der sitzt oben in der Da Vinci und macht sich die Nägel.

Es tritt ein: Der Schattenmann, ca. 50, von unten nach oben: Cowboystiefel, (zu) enge Röhrenjeans, weit offenes Hemd mit bloßgelegter sehr gebräunter Brust, dunkelblond gelocktes kurz gehaltenes Brusthaar, Goldkette, beide Daumen jeweils in eine Hosentasche eingehängt, leichte Jacke übergeworfen, goldene viereckige Brille, brillantiertes Kopfhaar.

Geht 2 Stunden am Stück auf und ab, pendelt schweigend, sehr langsam raus und rein zwischen Wartebereich und Automatiktür. Sieht beim Vorbeigehen die Wartenden von oben bis unten an. Dreht minimum 100 Runden. Nach 2 Stunden schleppt sich ein älterer Herr aus den hinteren Gefilden, der uns bis dahin noch nicht aufgefallen war, zur Regiekanzel, hinter sich herziehend erstens eine Art Bollerwagen mit Sauerstoffbehälter, nasal verbunden und zweitens eine Art Bein mit einem unten angebrachten überdimensionalen Fuß mit moonbootsähnlicher Anmutung. Ab sofort: The Bootman! And Godfather of Schattenmann!

Es tritt ein: Pantoffelsocke, ca. 70, ein Schuh, eine Pantoffelsocke, Riesentasche dabei. Wendet sich an die Kanzel. Er habe schon einmal seinen Urin mitgebracht, mehrere Becher zur Auswahl, wird ihm komplett abgenommen, wohl aus Sorge um Unfallschäden, Pantoffelsocke ist glücklich, will aber nicht zum vereinbarten Termin bleiben, hat Wichtigeres vor.

Es tritt ein: Emma Peel. exakt 86, könnte passen! Emma Peel ist eine weltbekannte fiktive Spionin aus der britischen Kult-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ (Original: The Avengers). Verkörpert wurde die ikonische Figur in den 1960er-Jahren meisterhaft von der Schauspielerin Diana Rigg. Sie gilt bis heute als Meilenstein für die Darstellung emanzipierter, starker Frauen im Fernsehen. Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Auf jeden Fall flog nach Erteilung des nächsten Geheimauftrags an Emma in einer Telefonzelle die selbige jedes mal in die Luft. Beste Szene!

Und jetzt sitzt Emma Peel ganz hinten im Wartebereich, ganz in weiß gekleidet mit sehr dunkler Sonnenbrille in einer Gruppe von Frauen unterschiedlichen Alters, in der eine Art Wortführerin alle anderen damit unterhält, dass sie die brandneuen Informationen über das Hantavirus hat. Ihre Empfehlung an alle im Wartesaal: Kein Buschfleisch essen! Alles gut!

Hantaviren gehören zu den Erregern viraler hämorragischer Fieber. Sie sind nach dem koreanischen Grenzfluss Hantaan benannt, wo während des Koreakriegs (1950-1953) mehr als 3000 Soldaten nach einer Infektion schwer erkrankten.

Es traten noch weitere Erleuchtete und falsche Propheten auf, würde unseren Rahmen sprengen. So ist das Glück manchmal mitten im Unglück, man muss nur hinhören, denn lustig war´s und die Zeit verging wie im Fluge. Und Yuriy kann gut hinhören!

Finale: 2 Beratungsgespräche Chirurg und Anästhesist, zwei nette Typen mit Herzblut und viel Geduld! Beamen, Mr. Spock!

Mit der Da Vinci geht’s natürlich rasend schneller von Herne-Wanne-Eickel nach Castrop-Rauxel. Ja, das und dies gibt´s wirklich!

Stephan Vielhaber, 4. Mai 2026

Nachsatz:

Liebe Freunde, bis hierhin ging ein Weg, der steinig war für Felix und auch für uns als Familie. Ihr habt uns geholfen, dass Felix ihn bewältigen konnte, seinen bisher schwierigsten Weg in fast 32 Jahren. Am 2. Juni 2026 wird er 32. Am Montag beginnt eine entscheidende Phase mit 2 Operationen. Wir hoffen sehr, dass er danach das Ziel ins Visier nehmen kann. 

Herzlichen Dank für alle Unterstützung!