Meeting beim Großen F.

Eine Screening-Geschichte von Felix Vielhaber / 5. Mai 2026
Jetzt erst recht nach vorne! Immer weiter! Denkt unser junger Held!
Eigentlich hatte mein Vater einen Gesprächstermin, doch ich hatte noch so einige Fragen und wollte mit der Oberärztin vor Ort sprechen.
Im Wartezimmer des Santiago wartete ich also auf die Oberärztin (Papa war schon beim Prof zum Gespräch). Aber nur vermeintlich. Auf einmal tönte es durch die Boxen im Wartezimmer: „Herr Vielhaber, bitte!“. Die Stimme des großen Meisters selbst!
Ich war verwirrt, machte mich aber auf den Weg zur Tür mit der Aufschrift „Thoraxzentrum – Prof.Dr. F.“.
Ich öffnete die Tür. Die dort ansässige Sekretärin wusste Bescheid und erlaubte mir den Zutritt zum Inneren Zirkel.
Der Große F. empfing mich direkt an der Tür. Er war die Liebenswürdigkeit in Person und ich wusste warum.
Diesmal hatte er Zeit! Viel Zeit! „Setzen Sie sich doch!“ Er sah mich erwartungsvoll an. Dann schlug ich zu …
Genüsslich zog ich die Spitzen meiner Pfeile aus dem Fragenköcher und traf ins Schwarze.
Verständlich, patientengerecht und ohne jegliches unverständliche Fachwort, dafür mit Stift und Papier bewaffnet, klärte er mich auf.
In schonungsloser Offenheit wurde ich zu seinem Mitwisser.
Bevor er seinen chefnappabezogenen Goldfüllhalter zückte und ein Blatt Papier bemalte, war er nachdenklich, wartete einen Moment und sprach „Das kann ich schon sagen.“
Was kommt jetzt, dachte ich und zuckte kurz zusammen.
Prof. Dr. F. zeichnete in Windeseile, das hatte ich ihm gar nicht zugetraut, Luftröhre, Bronchien, Lungenflügel und Lymphknoten annähernd maßstabsgetreu auf.
Dann entfernte er in aller Kürze das, was bei mir ebenfalls entnommen werden soll, aber eben nicht auf dem Papier.
Ich sah auf das Papier, dann in seine Augen, sein Blick erwartungsvoll, gar nicht spöttisch. Eine tolle Sache mit der Zeichnung.
Mit diesem umfangreichen Entnehmen der körpereigenen Substanzen hatte ich nicht gerechnet.
Dann kam das Hauptmenü, als „Big F.“ Folgendes von sich warf: „Das ist gar kein Problem. Diese Lymphknoten braucht eh keiner. Man denkt ja immer, alles ist fest. Doch das ist nur Labberzeug, das man einfach greift und herausholt.“
Das große Finale?
Natürlich nicht! Wer BIG F. kennt weiß, dass er immer noch einen auf Lager hat.
Er sagte: „Die Chirurgen teilen Ihnen die Auswertungen der Tumorkonferenz mit. Das ist wichtig, denn ich würde auch nicht einen an mir herumschnipseln lassen, den ich nicht kenne und der mir nicht sympathisch ist.“
Jetzt setzte er zum großen Finale an, kurbelte den Mittelfinger seiner linken Hand in die Höhe und schmetterte über seinen Edelholzschreibtisch:
„Wenn es bei dem Tumor in der Lunge bleibt, holen wir ihn raus und zeigen ihm den …“ Die Geste war eindeutig.
Ich musste schmunzeln. Sein Berufsleben ist einfach eine wahre Leidenschaft!
Dann musste er los. Chefsache! 15 Uhr! Innerer Zirkel!
Liebe Grüße
Felix Vielhaber, 5. Mai 2026
